Es war einmal

Hier hatte alles angefangen, in der Bäckerei vom alten Semmel Sepp.

Nichtbayern werden sich jetzt fragen, was denn eine Semmel ist. Nur um sicher zu gehen, dass auch alle wissen von was hier die Rede ist. Wir sprechen von der Teigware die so klangvolle Namen wie Schrippe, Weckerl, Rundstück, Sübredel oder auch Mutschli trägt. Also schlicht und einfach einem Brötchen.

Dass jene Semmel täglich frisch auf dem Früstückstisch der Schnirpflinger landete, dafür war der Semmel Sepp da.


Wie geschickt er sich auch anstellte, so blieb ihm doch verwehrt, etwas anderes als Teig mit seinen Händen zu kneten. Denn wenn in den Schlafzimmern von Schnirpfling die Lichter erloschen, war der Semmel Sepp allein in seiner Backstube.

Den Tipp sich eine Frau zu backen, hatte der Sepp mehrmals befolgt. Doch schon nach wenigen Tagen wurden diese Damen stets hart und bröselig. Wer will schon in einem krümeligen Bett schlafen? Das ist selbst für einen Bäcker kein Genuß. Der Semmel Sepp wollte das jedenfalls nicht.


Weil der Sepp darüber sehr traurig war, zog er sich immer mehr in seine Backstube zurück und alles was fortan steif wurde, war sein Rücken.

So kam es, dass sich der Semmel Sepp nicht mal mehr die Fußnägel selbst schneiden konnte und in keinen Schuh mehr passte.

An dieser Stelle trat nun endlich ein weibliches Wesen in das Leben vom alten Sepp. Die Podologin Doris Bägger kümmerte sich um seine Füsse und der Sepp verlagerte seine ganze Leidenschaft in den großen Zeh.


So hätte es eigentlich die nächsten hundert Jahre bleiben können, doch das Schicksal hatte einen anderen Plan geschmiedet.

Der Semmel Sepp hatte in der Nacht zu diesem verflixten Montag aus Freude auf den anstehenden Fußpflegetermin ein Fläschchen  Schnirpflinger Kräuterjuchzer geleert und war dann kopfüber in den frischen Semmelteig gefallen.

Als man ihn am Morgen fand, mußte man mit Bedauern feststellen, dass der Teig nicht mehr genießbar war.


Da mussten die Schnirpflinger Bürger tagelang ohne ihre geliebten Teigwaren auskommen und als der alte Semmel Sepp eingeäschert wurde, zog ein letztes Mal der leckere Duft von frischen Semmeln durch die Gassen von Schnirpfling.

Weil der Sepp zeitlebens alleine war hatte er die Frau zur Erbin seiner Hinterlassenschaft ernannt, die sich so wohlwollend um seine Reflexzonen gekümmert hatte.

Ganz Schnirpfling war geschockt. Wer sollte sich nun um ihr leibliches Wohl kümmern ?


Wenn der Sepp die bösen Artikel in der Presse gelesen hätte, wäre er in seiner Urne aufgegangen wie ein Hefeteig.

Doris wollte es nun allen zeigen.    Sie durchforstete die Bäckerei bis in den kleinsten Winkel und fand auf einem alten rostigen Backblech, die geheimen Rezepte des alten Semmel Sepp eingeritzt.

Sofort machte sie sich ans Werk, rührte und knetete die ganze Nacht hindurch, bis der Morgen an und sie zusammen brach.


Als nun nach Tagen der Enthaltsamkeit die Bäckerei das erstemal wieder geöffnet wurde, war das Interesse riesengroß.

Alle waren sie gekommen. Die einen um die Kunst der neuen Bäckerin zu begutachten, die anderen in der Hoffnung, dass sich ihre Vermutung bestätigen würde, dass diese Fußgrapscherin niemals vernünftige Backwaren hinkriegen würde.

Doch alle Kritiker wurden  an diesem Tag eines Besseren belehrt und so wurde Doris Bägger in die ehrenwerte Gemeinschaft der Schnirpflinger aufgenommen.


In der folgenden Nacht schlief sie während des Knetens ein.

Im Traum erschien ihr der alte Semmel Sepp und streckte ihr seinen Fuß entgegen und als sie wieder aufwachte, hatte sie diesen aus Teig geformt.

So begann Doris in jener Nacht ihre ersten Füße zu backen, die sie mit edlem Käse verfeinerte.


Schon nach wenigen Tagen war ganz Schnirpfling im Käsefußfieber.

Weil es sich herumsprach, dass es da was ganz Besonderes gab, wurde die Bäckerei weit über die Grenzen des kleinen Ortes hinaus bekannt.

Durch die große Nachfrage inspiriert, erdachte Doris immer neue Varianten ihrer beliebten Käsefüße und wurde kürzlich sogar mit dem begehrten “Goldenen Mehlsack” der Zeitschrift “Rollen & Kneten” ausgezeichnet.


Neid und Missgunst machten auch vor den Toren Schnirpflings nicht halt und so drohte man der fleißigen Doris mangels eines bäckerlichen Berufsabschlusses den Ofen für immer abzudrehen.

Doch die Rechnung wurde ohne den Bürgermeister gemacht, der sich ein Leben ohne Käsefüße nicht mehr vorstellen konnte.

Bartholomäus Beutelschneider, mit allen Wassern gewaschen, wandelte den Betrieb kurzerhand in eine Werkstatt für Backkunst um und setzte somit alle Vorschriften außer Kraft.


Im Leben gibt es nichts umsonst und schon gar keinen Gefallen von Bürgermeister Beutelschneider.

Der Forderung nach kostenloser Fußpflege und Käsefüßen auf Lebzeit kam Doris gerne nach.

So kehrte wieder Ruhe ein, in das kleine beschauliche Örtchen Schnirpfling, mit all seinen schrulligen Bewohnern.

Ja und wenn´s dem Sepp da oben langweilig wird, blickt er hinunter in das Schlafzimmer von Doris und dann fühlte er sich wie im Himmel...


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